Helmut Lachenmann zur Alpensinfonie von Richard Strauss

Dieses Gespräch mit Helmut Lachenmann über die Alpensinfonie von Richard Strauss entstand im Hinblick auf ein Konzert des Ensemble Modern Orchestra beim Lucerne Festival 2005. Auf dem Programm stand neben der Alpensinfonie auch Lachenmanns „Ausklang“.

Helmut Lachenmann, es war Ihre Idee, die Alpensinfonie von Richard Strauss neben Ihre Komposition „Ausklang“ für Klavier und Orchester zu stellen. In der Konfrontation drängt es sich geradezu auf, sie als eine Inkarnation dessen zu hören, was Sie einmal den „ästhetischen Apparat“ genannt haben: die Gesamtheit der gesellschaftlichen Bedingungen für die Kunstproduktion einer Epoche, in diesem Fall der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Strauss wird oft nachgesagt, er habe sich in diesem Apparat gemütlich eingerichtet und seine Musik sei entsprechend unreflektiert, was ihren Zeitbezug angehe.

Helmut Lachenmann: Die Alpensinfonie ist keine unreflektierte Musik. Sie gibt sich ungebrochen, aber das ist etwas anderes als unreflektiert. „Helmut Lachenmann zur Alpensinfonie von Richard Strauss“ weiterlesen

Pierre Boulez und die Dominanz der Wahrnehmung

Pierre Boulez, der abstrakten Theoretiker und Dogmatiker des frühen Serialismus, wandelte sich im Lauf der Zeit schrittweise zum erfahrungsorientierten Praktiker. Erste Anzeichen einer Abkehr vom dogmatischen Denken gab es bei ihm schon in den 1950er Jahren. Er selbst machte daraus nie ein Geheimnis.

Das war nur Konsequenz, Konsequenz, Konsequenz, und man hat sehr schnell gesehen, dass das nicht sehr weit geführt hat,

erklärte er 2004 auf die Frage nach dem Kompositionsprinzip im Ersten Buch der „Structures“. „Pierre Boulez und die Dominanz der Wahrnehmung“ weiterlesen