Ein wacher Geist – Erinnerung an Hans Zender

Hans Zender„Die Zeiten klingen zusammen, nicht im Sinne einer Harmonie, sondern oft genug als Widerspruch“, heißt es in einer Notiz von Hans Zender zu seinen „komponierten Interpretationen“, den künstlerischen Neudeutungen alter Werke. Es ist ein typischer Zender-Satz. Und am Schluss seiner Überlegungen zur kreativen Neulektüre alter Werke fasst er seine von wachem Einfühlungsvermögen geleitete Künstlerhermeneutik so zusammen: „Ein wacher Geist – Erinnerung an Hans Zender“ weiterlesen

Aldeburgh und Benjamin Britten

Benjamin BrittenAldeburgh ist noch immer eine erste Adresse unter den internationalen Musikfestivals. Dies nicht nur in musikalischer Hinsicht, sondern auch was tiefere Erkenntnisse zu aktuellen Befindlichkeiten angeht, und das heißt im Jahr 2019: Zum allgegenwärtigen Streit um den Brexit. „Aldeburgh und Benjamin Britten“ weiterlesen

Giorgio Battistelli: „I Cenci“

Graf Cenci und Beatrice, die Hauptfiguren in der Oper "I Cenci" von Giorgio Battistelli
Familienhorror: Graf Cenci und seine Tochter Beatrice. @ LAC Lugano

Giorgio Battistelli ist ein Opernkomponist mit einer Neigung zu extravaganten, bisweilen auch grausamen Stoffen, und so musste er fast zwangsläufig auf den Theatertext stoßen, den Antonin Artaud 1935 über den Fall der Beatrice Cenci verfasste. Beatrice war die Tochter des korrupten und moralisch verkommenen Grafen Cenci, eines römischen Adligen aus der Zeit der Spätrenaissance; sie wurde von ihm vergewaltigt und „Giorgio Battistelli: „I Cenci““ weiterlesen

Salvatore Sciarrino: Cosa resta

Seiner Komposition „Cosa resta“ für Streichquartett und Stimme hat Salvatore Sciarrino einen Text zugrundegelegt, der auf bestürzende Weise schmucklos daherkommt. Diese  lapidare Sachlichkeit, dieser Verzicht auf alle poetischen Metaphern, Feinheiten der Syntax und subjektiven Ausdrucksvaleurs! Etwas „Unkünstlerischeres“, Banaleres ist als Textbasis für eine Komposition  nicht denkbar: „Einige wurmstichige Fässchen; 1 Kupferkanne mit vier „Salvatore Sciarrino: Cosa resta“ weiterlesen

Eduard Brunner und Helmut Lachenmann

Eduard BrunnerDer 2017 kurz vor Vollendung seines 78. Lebensjahrs verstorbene Klarinettist Eduard Brunner war an der Uraufführung von insgesamt vier Kompositionen von Helmut Lachenmann beteiligt. 2005 gab er in einem Gespräch einen Einblick in seine langjährige Zusammenarbeit mit dem Komponisten. „Eduard Brunner und Helmut Lachenmann“ weiterlesen

Francesco Hoch koloriert Mario Bottas „Steinerne Blume“

Wer sich am letzten Samstag im August zum Gipfel des Monte Generoso aufmachte, wurde dort auf 1700 Metern über Meer mit einer Raumklanginstallation von Francesco Hoch konfrontiert. Für die Bergstation des gemächlich die Hänge ermporklimmenden Zahnradbähnchens hatte der Architekt Mario Botta seine „Fiore di pietra“ („Steinerne Blume“) entworfen, ein ambitioniert gestaltetes Bauwerk mit „Francesco Hoch koloriert Mario Bottas „Steinerne Blume““ weiterlesen

Die Sinfonie X von Dieter Schnebel

Dieter Schnebel 2005
Dieter Schnebel 2005

In Dieter Schnebels Schaffen nimmt die „Sinfonie X“ die Stelle eines Opus summum ein, in dem die gedanklichen Entwicklungen und musikalischen Erfahrungen aus mehreren Jahrzehnten kompositorischer Praxis zusammenfließen. Die große klassische Idee der sinfonischen Form verbindet sich mit den experimentellen Konzepten der späten fünfziger bis frühen siebziger Jahre zu einer ebenso gewagten wie imposanten Synthese des scheinbar Unvereinbaren. „Die Sinfonie X von Dieter Schnebel“ weiterlesen

Nachruf auf Dieter Schnebel

Dieter Schnebel„Einige meiner eigenen Stücke aus den später 70er Jahren wie etwa ‚Pan‘ für Flöte und Begleitung, ‚B-Dur-Quintett’ und ‚Schubert-Phantasie‘ gehen vielleicht auch ein wenig in die postmoderne Richtung, die immerhin an der Zeit war“, sagte Dieter Schnebel 1985 in einem Berliner Vortrag. „Freunde aus der einstigen Avantgarde schalten mich darob reaktionär.“ Auch ich gehörte damals zu denjenigen, die mit diesem unerwarteten Schritt ihre liebe Mühe hatten. „Nachruf auf Dieter Schnebel“ weiterlesen

Galina Ustwolskaja: Klaviersonaten

Galina UstwolskajaDie sechs Klaviersonaten von Galina Ustwolskaja entstanden in einem Zeitraum von über vierzig Jahren, bilden aber aufgrund mancher Gemeinsamkeiten doch einen Zyklus. Die Komponistin wehrte sich jedoch entschieden gegen klischeehafte Eigenschaften, die an ihre Werke herangetragen wurden. „Ich habe es oft wiederholt und bitte sehr darum: Es ist besser, nichts über meine Musik zu schreiben als immer wieder das gleiche „Galina Ustwolskaja: Klaviersonaten“ weiterlesen

Galina Ustwolskaja: Rütteln am Gitter

Galina Ustwolskaja (Foto: Verlag Sikorski)Im zahlenmäßig kleinen Œuvre von Galina Ustwolskaja gibt es zwei Werke für die traditionelle Besetzung Violine und Klavier: Das eine, komponiert 1952, ist betitelt mit „Sonate“, das andere aus dem Jahr 1964 mit „Duett“. Ein Vergleich der beiden Werke zeigt die tiefgreifenden Veränderungen, die sich in diesen zwölf Jahren in ihrer Musik abgespielt haben. Es gibt zwar auch Gemeinsamkeiten wie die Einsätzigkeit oder das Prinzip rhythmischer Wiederholungen. „Galina Ustwolskaja: Rütteln am Gitter“ weiterlesen